Behörde verbietet Klagenfurterin die Abendmatura


Wer Mindestsicherung bezieht, darf nicht jede Ausbildung machen. In Klagenfurt musste eine Frau deshalb den Besuch der Abend-HAK beenden.

Eine Bezieherin von Mindestsicherung hat die Abend-HAK aufgegeben

Die soziale Mindestsicherung ist die Hilfe des Landes Kärnten für ein möglichst selbst bestimmtes Leben und eine soziale Teilhabe.“ Soweit Paragraf 1, Absatz 1 des Mindestsicherungsgesetzes von Kärnten. Eine Kärntnerin, die eben jene soziale Hilfe bezieht, staunte nicht schlecht als man ihr nahelegte, die Abend-HAK in Klagenfurt abzubrechen.

„Volkswirtschaftlich wäre die Absolvierung einer Abend-HAK ein Vorteil. Gerade Absolventen von berufsbildenden Schulen haben die geringste Arbeitslosigkeit“, sagt Florian Buchmayr, Leiter des Kompetenzzentrums für Erwachsenenbildung an der HAK 1 in Klagenfurt. Buchmayr verstand die Welt nicht mehr, genau wie seine Ex-Schülerin.

Die Krux liegt in folgendem Paragrafen begraben: „Personen, die (...) ihre Arbeitskraft allein deshalb nicht voll einsetzen können, weil sie eine weiterführende Ausbildung absolvieren, steht ein Anspruch auf Leistungen (...) nicht zu.“ Joachim Katzenberger vom Magistrat Klagenfurt bringt es auf den Punkt: „Ein Studium ist definitiv nicht möglich. Und wenn jemand die Abendmatura macht, steht er nicht voll zur Verfügung.“ Soll heißen: Eine Mindestsicherung ist nicht dafür da, um ein Studium zu finanzieren; und Ausbildungsformen, die am Abend stattfinden (wie eine Matura) spießen sich mit der gesetzlichen Vorgabe.

"Abendmatura ist kostenfrei"

Buchmayr versteht den Gesetzgeber nicht: „Die betroffene Studierende der Abend-HAK hatte die Wahl: Entweder Mindestsicherung in voller Höhe oder Abend-HAK.“ Und Buchmayr fügt hinzu: „Die Abendmatura ist komplett kostenfrei. Englisch-Kurse zum Beispiel beim AMS müssen bezahlt werden. Außerdem beginne die Abendmatura erst um 18 Uhr, bis dahin stehen die Mindestsicherungs-Bezieher also dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.“ Ein „selbst bestimmtes Leben“, so der Gesetzestext, ist also immer noch Definitionssache.

Joachim Katzenberger vom Magistrat fügt aber noch hinzu: „Es ist immer eine Individualentscheidung. Es wird Ausnahmen geben, aber generell gibt es keine.“ Von der Abteilung für Soziales des Landes Kärnten war keine Stellungnahme zu bekommen.

ANDREAS KANATSCHNIG

Quelle: kleinezeitung.at

 


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