Volksanwalt Massiver Anstieg bei AMS-Beschwerden


Bei der Volksanwaltschaft langten 70 Prozent mehr Beschwerden ein, Günther Kräuter fordert mehr Respekt von AMS-Mitarbeitern

Von Sinn und Unsinn der AMS-Schulungen war im vergangenen Jahr häufig die Rede. Die Kurse, die das Arbeitsmarktservice seinen Kunden bei der Jobvermittlung verordnete oder zugestand, gerieten immer wieder heftig in die Kritik. Insbesondere der Fall eines 62-Jährigen, der 53 Tage vor der Pensionierung eine Karriereschulung absolvieren musste, und jener von Computerfachleuten, die einen "Basiskurs über Maus und Tastatur" zu belegen hatten, sorgten für Aufregung. Während das AMS von Einzelfällen sprach, sah sich die Volksanwaltschaft dazu veranlasst, ein amtliches Prüfverfahren einzuleiten. An Einzelfälle wollte man aufgrund der Erkenntnisse aus den Sprechstunden nicht glauben.

Anfang April will die Volksanwaltschaft dem Parlament ihren Bericht übermitteln. Ein umfangreiches Kapitel wird das AMS betreffen. "Wir werden Einzelfälle darstellen, die sehr kritisch zu bewerten sind", sagt Volksanwalt Günther Kräuter im STANDARD-Gespräch. Auch wenn das Arbeitsmarktservice mittlerweile reagiert und zum Beispiel in Wien ernsthafte Reformanstrengungen unternommen hat, einfacher wird die Lage nicht, ist Kräuter überzeugt. "Alleine schon deswegen, weil mit weniger Geld mehr Menschen zu betreuen sind."

Sprunghafter Anstieg

Mehr als 500 Beschwerden gab es im Vorjahr, rund 70 Prozent mehr als im Jahr davor, sagt Kräuter: "Das ist schon eine enorme Steigerung. Alles, was mit dem AMS zu tun hat, wird auch 2015 ein Schwerpunkt der Volksanwaltschaft sein." Dass die Zahl der Beschwerden weiter zunimmt, erklärt sich zum einen aus der steigenden Zahl der Arbeitslosen, aber auch damit, dass die Menschen sich besser in entsprechenden Plattformen vernetzen und sich verstärkt zur Wehr setzen. "Insgesamt wurden die Extremfälle weniger", zieht Kräuter vorläufige Bilanz. "Man hat auch gelernt aus der Kritik."

Kräuter verweist aber auch auf falsche Erwartungen mancher AMS-Kunden. So habe sich ein Betroffener bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt durch einen Chinesischkurs ausgerechnet. "Chinesisch lernt man aber leider nicht schnell einmal in einem Kurs, ohne vor Ort zu sein." Auch dass die Menschen länger im Job gehalten werden sollen, obwohl das Angebot sinkt, bleibe ein Problemfeld, das eher größer als kleiner werde, so der Volksanwalt. Für das Problem "Ältere am Arbeitsmarkt" wünscht er sich dementsprechend einen neuen und ganzheitlichen Blick und vor allem ein neues Kursangebot, etwa im Bereich Ernährung und Gesundheitsvorsorge. "Da könnte man einerseits präventiv wirken und andererseits eine gewisse Tristesse wegbekommen."

Mehr Wettbewerb

Bei den Kursangeboten insgesamt, deren Vergabepraxis bereits der Rechnungshof kritisierte, hält Kräuter mehr Wettbewerb für nötig. "Das würde bedeuten, dass man sich vertragsmäßig nicht so lange bindet und kurzfristiger evaluieren kann, ob die Kursanbieter den Anforderungen optimal entsprechen. Da muss man sich mehr den schnell wechselnden Gegebenheiten anpassen." Das AMS müsse die Qualitätskontrolle in diesem Bereich verstärken, fordert Kräuter. Beim Arbeitsmarktservice heißt es dazu, dass man bei Kursen ohnedies "üblicherweise keine langfristigen Bindungen eingeht, sondern sich höchstens Optionen zur wiederholten Vergabe ohne neuerliche Ausschreibung sichert". Und man sei dabei, die Kontrolle vor Ort zu verstärken.

Mehr Fingerspitzengefühl

Ein weiteres Thema hält Kräuter für virulent: Man müsse den AMS-Mitarbeitern ausnahmslos abverlangen, dass mit Fingerspitzengefühl und Respekt vorgegangen werde. "Da kommen Menschen, die bestens bezahlt waren und nie damit gerechnet haben, arbeitslos zu werden." Abgesehen von der alltäglichen Herausforderung, alle Beratungen im gebotenen Ausmaß mit dem verfügbaren Zeitbudget in Übereinstimmung zu bringen, sei auch nicht allen AMS-Mitarbeitern bewusst, dass sich hier persönliche Dramen vor ihren Augen abspielen würden. "Über 400.000 Menschen suchen einen Job, es wird vernünftigerweise niemand behaupten wollen, dass sie alle nicht arbeiten wollen."

Und in noch einem Punkt hält Kräuter die Zeit für eine echte Wende reif. In Sachen Beschäftigung für Asylwerber gelte es nun, Nägel mit Köpfen zu machen. "Mittlerweile haben wir eine Fülle von Akteuren, die sich sehr positiv bis zumindest wohlwollend äußern. Für die Volksanwaltschaft ist es ein ganz klares Menschenrecht, dass man Arbeit suchen und annehmen kann", sagt Kräuter. "Es gibt viele gute Gründe, in den nächsten Wochen zu einer Lösung zu kommen.

Quelle:  http://derstandard.at/2000010637352/VolksanwaltAMS-Beschwerden-beim-stiegen-massiv


Kommentare (5)

  1. nosferatus3:
    Jan 22, 2015 at 11:07 PM

    fordere ich einen untersuchungsausschuß der sich mit den menschverachtenden gepflogenheiten beim ams beschäftigt.
    angefangen von der kursindustrie, über die mangelnde kompetenz der mitarbeiter bis hin zur geldvernichtung der versichertenbeiträge und willkürlicher sanktionen gegen die versicherten.

  2. Kapitalismus Luege:
    Jan 22, 2015 at 11:09 PM

    10% Arbeitslosigkeit ist Vollbeschäftigung

    wohl die neue Benya Formel.

    Einen Arbeitsplatz bekommt man doch nur, wenn der Arbeitgeber sich einen Gewinn daraus verspricht der höher als der zu zahlende Lohn ist.

    So ist jeder Arbeitsplatz diesem Gewinnstreben unterworfen. Der Staat akzeptiert ganz kühl, dass 10% seiner Werktätigen gar nicht mehr zur Gewinnerwirtschaftung der Reichen gebraucht werden.

    Der Staat schließt sie nicht nur vom nationalen Reichtum aus, er schikaniert sie auch noch.

    Er klärt den Arbeitslosen nicht etwa über das ökonomische Zwangs- und Ausbeutungsverhältnis dem seine Klasse im Kapitalismus unterworfen wird auf, sondern lastet ihm auch noch den Nicht-Gebrauch an.
    Ein fauler Sozialschmarotzer sei er, der nicht einmal den Lebenslauf richtig formatiert hätte.

  3. hoellchen:
    Jan 22, 2015 at 11:11 PM

    Zum Thema: mehr Bewerbungen dann findet ihr schon einen Job:

    Aussortiert und abgestempelt
    Warum Arbeitslose arbeitslos bleiben
    http://www.heise.de/tp/artikel/43/43593/1.html

  4. Rolf:
    Jan 22, 2015 at 11:13 PM

    DANKE an den Staat, der dafür unsere Steuern mag:

    Besonders nett wird es dann, wenn einer erwachsenen, mit guter Ausbildung und langjähriger Erfahrung im Tätigkeitsfeld eine 25-jährige, zugegeben, Akademikerin, befiehlt, sich zu bewerben, den Lebenslauf runtermacht, und man sechs Stunden pro Tag mit anderen gemeinsam in einem PC-Raum dicht an dicht hockend, vor dem Bildschirm verbringen muss oder in sogenannten Sozialkompetenz-Kursen, in denen der Trainer (oh, nein, er hat ja ein "Diversity"-Zertifikat und ein Gender-Z auch noch) Frauen mit Kopftuch runtermacht, Männern sagt, wie arm sie wären, weil alleinerziehend und sich auch sonst zum Maß der Dinge macht.
    Das alles unter Anwesenheitspflicht und mit Kontrollanrufen von den sog. Beraterinnen. Das macht Menschen psychisch krank!

  5. Omar:
    Mar 02, 2015 at 09:43 AM

    Mehr Bewerben: Haaaaaaa, noch mehr geht nicht !!!!!!!! Es ist Schade und Schande Älterere menschen zu zwingen mit viell jungen zu sitzen und das gleiche zu machen!!! Die Zukunft gehert die Jungen und die Jugend soll und muss befordert sein !!!!!!!!!


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